14.10.2012 / Allgemein / /

Quoten sind schlecht – warum es sie trotzdem braucht, und warum sie mit einem „Migros Data“ versehen sein sollten.

Kürzlich habe ich im Parlament einer überparteilichen Motion für Quoten in Kaderpositionen bei der Stadtverwaltung zugestimmt. Zugegeben: Ich tat es ungern. Eigentlich bin ich keine Freundin von Quoten – seien es Frauen- oder Männerquoten. Grundsätzlich soll nicht Geschlecht, sondern Leistung, Potenzial und Kompetenz – Fach- und Selbstkompetenz – bei der Stellenbesetzung im Zentrum stehen.

Warum habe ich trotzdem zugestimmt? Weil nach mehr als einem Dutzend Jahren rotgrüner Mehrheit – wo Gender-Fragen ganz GROSS und bisweilen als Selbstzweck geschrieben sind – in der städtischen Verwaltung der Frauenanteil immer noch enttäuschend tief ist. Der prozentuale Anteil an Frauen in den Kaderstellen der Berner Stadtverwaltung ist seit 2002 relativ von 16.8% auf heute 23.9% gestiegen. Trotzdem ist die Anzahl der im Kader angestellten Frauen gleich geblieben – nur die Auslagerung von „männerlastigen“ Betrieben wie den StaBe und von ewb sowie der Stadtpolizei macht den Anschein, dass der Frauenanteil gestiegen sei.
Diese Stagnation macht deutlich, dass sich auf freiwilliger Basis bei der rotgrünen Regierung nicht sehr viel bewegt.

Wenn es also die Gender-Fundis und Hardliner nicht schaffen, ein Gleichgewicht herzustellen, was dann?

Ich glaube, bisweilen müssen gleichsam „ordnungspolitische“ Grundsätze zu Gunsten des grösseren Ganzen, und zu Gunsten von Fundamentalwerten zurückstehen – dann braucht es ein klares politisches Signal. Bei den Quoten sind wir so weit: Es braucht eine „Anschubquote“, die die Gender-Diskussion und – Umsetzung endlich in Gang bringt. Also eine Abweichung von der „reinen Lehre“, um ein frauen- aber auch gesellschaftspolitisches Anliegen vorwärts zu bringen.
Für mich ist aber jetzt schon klar, dass diese Regelung eben nur als „Anschub“ zu verstehen ist: Die forcierte Änderung muss zu einer neuen Realität führen. Deshalb werde ich bei weiteren Diskussionen über Quoten in den Stadtrat eine Befristung – eben ein „Migros Data“ – einbringen: Nach 7 Jahren soll die Regelung – sofern sie umsetzt worden ist – wieder ausser Kraft gesetzt werden.