07.06.2013 / Allgemein / /

Was ist Familienzeit wert? Plädoyer für den Vaterschaftsurlaub

Ein neu geborenes Kind ist das grösste Glück überhaupt. Danach ist jedoch nichts mehr, wie es einmal war: Das neue Menschenkind bedarf grosser Aufmerksamkeit und viel Zeit. Eine Zeit, in der beide Elternteile gleichermassen gefordert sind. Eine moderne Gesellschaft gibt moderne Antworten auf solche Bedürfnisse. Deshalb: Ein Vaterschaftsurlaub ist das Gebot der Stunde. Davon profitieren nicht nur Väter, sondern auch die Unternehmen: Win-Win!

Das Fazit vorab: Entspannte Väter sind gute Arbeiter und bleiben ihrem Unternehmen eher treu, wenn diese familiengerechte Arbeitsbedingungen anbietet. Mit einem Vaterschaftsurlaub entsteht ein Gewinn für Gesellschaft und Wirtschaft. Wer in einem Unternehmen richtig rechnet, rechnet heute mit Vaterschaftsurlaub. Weil sich aber die Gesellschaft als Ganzes weiterentwickeln soll, braucht es für den Vaterschaftsurlaub Mindeststandards: Ein Minimum wird verordnet – mehr ist zulässig. Deshalb die berechtigte und zeitgemässe Forderung: Es ist endlich an der Zeit, dass alle Unternehmen und die Politik den Bedarf nach einer gemeinsamen Elternzeit und dessen Wert anerkennen und entsprechende Massnahmen zugunsten der Väter ergreifen.

Die Familienzeit wollen immer mehr frisch gebackene Eltern gemeinsam bestreiten. Dieser ist ein hoher Wert beizumessen, emotional wie auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Wer Zuhause entspannt ist, ist auch bei der Arbeit motivierter und damit leistungsfähiger. Für Unternehmen ist die Überlegung, wie viele Vaterschaftsurlaubstage sie ihren Mitarbeitern gewährt, mehr als lohnenswert, zumal sie sich als attraktiven Arbeitgeber positionieren können.

Eine betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse familienfreundlicher Unternehmenspolitik in der Schweiz, von der Prognos AG im Auftrag des Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat gezeigt, dass familienorientiere Massnahmen einem Unternehmen bei den Personalkosten Ersparungen von durchschnittlich acht Prozent einbringen. Die Studie weist auf die positiven Effekte einer familienorientierten Personalpolitik, zu einer solchen gehört auch die Einführung eines Vaterschaftsurlaubes, wie dies die Autoren der Studien präzisieren.

Immer mehr Unternehmen gewähren Vaterschaftsurlaub

Gesetzlich vorgeschrieben ist der Urlaub für Väter – im Gegensatz zum Mutterschaftsurlaub – indes nicht. Für üblich erachtet der Bundesrat bei der Geburt eines Kindes ein bis zwei Tage. Neu erhalten die Mitarbeiter der Landesregierung ab dem 1. Juli zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Damit liegen sie im Trend, wie eine kürzlich publizierte Studie des Tages-Anzeigers zeigt: Rund 50 Unternehmen in der Schweiz gewähren ihren Vätern bereits heute einen Urlaub von ein bis zwei Wochen.
Dieser Trend zu längerem Urlaub für frischgebackene Väter läuft parallel zum gesellschaftlichen Wandel. Väter wollen von Anfang an eine Beziehung zu ihren Kindern aufbauen, das Bedürfnis für einen bezahlten Urlaub ist dementsprechend hoch. Im Verlauf von wenigen Jahren hat der Bund den Vaterschaftsurlaub von zwei auf zehn Tage erhöht.

Anstoss dazu gab übrigens CVP-Bundesrätin Doris Leuthard 2007, als sie den Mitarbeitern im eigenen Departement fünf freie Tage gewähren wollte. Nach den Sommerferien will der Bundesrat nun über einen staatlich vorgeschriebenen Vaterschaftsurlaub debattieren. Wir wollen diese Diskussion mitgestalten und eine zeitgemässe Antwort geben: Für die Väter, für die Mütter und für die Familien – und letztlich für die Unternehmen in unserem Land. Helfen Sie mit?